Kalium wird gern als Mittel gegen Krämpfe, Herzstolpern und hohen Blutdruck verkauft. Die meisten Menschen bekommen über Obst, Gemüse und Kartoffeln aber genug davon. Bei Kalium ist der Weg von "sinnvoll" zu "gefährlich" kürzer als bei vielen anderen Mineralstoffen, vor allem mit dem Alter. Hier liest du, warum.
Wie viel du brauchst
Die DGE nennt für Erwachsene einen Schätzwert von 4.000 mg Kalium am Tag, für Frauen wie Männer und in jedem Alter.
Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 500 mg Kalium pro Tagesportion. Die EFSA konnte für Kalium keine tolerierbare Obergrenze (UL) festlegen. Sie hält das Risiko für gesunde Menschen bei Kalium aus dem Essen für gering, weil gesunde Nieren einen Überschuss ausscheiden. Genau dieser Punkt ist der Haken.
Was die EU anerkennt
Kalium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei.
Kalium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.
Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei.
Diese Aussagen beschreiben, wofür der Körper Kalium braucht. Sie sagen nicht, dass zusätzliches Kalium Krämpfe löst oder einen erhöhten Blutdruck behandelt.
Wer vorsichtig sein muss
Das BfR nennt in seiner Stellungnahme die Gruppen, für die hohe zusätzliche Kaliummengen ein Risiko sind:
- Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion
- Menschen mit Diabetes oder Insulinmangel
- Menschen mit Herzerkrankungen
- Ältere Menschen allgemein, weil die Nierenfunktion mit den Jahren nachlässt
- Menschen, die schon einen erhöhten Kaliumspiegel haben
Dazu kommen Medikamente. Das BfR zitiert die Empfehlung des US-amerikanischen Institute of Medicine: Wer ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane) oder kaliumsparende Entwässerungsmittel nimmt, soll keine Kaliumpräparate einnehmen. Diese Mittel sind gegen Bluthochdruck und Herzschwäche weit verbreitet, gerade ab 50. Schau auf deinen Medikamentenplan. Endet ein Wirkstoff auf "-pril" (etwa Ramipril) oder "-sartan" (etwa Candesartan), sprich vor jedem Kaliumpräparat mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Das unterschätzte Problem: Du weißt es oft nicht
In der großen Gesundheitsstudie DEGS1 des Robert Koch-Instituts wussten nur etwa 28 Prozent der Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion davon. Bei den 70- bis 79-Jährigen war jede achte Person betroffen. Das BfR leitet daraus ab, dass viele Menschen ein Risiko tragen, ohne es zu ahnen.
Ein zu hoher Kaliumspiegel im Blut macht sich anfangs kaum bemerkbar. Im schlimmsten Fall kommt es zu Herzrhythmusstörungen. Deshalb gilt: Hast du Diabetes, Bluthochdruck oder bist du über 60, lass deine Nierenwerte prüfen, bevor du Kalium ergänzt.
Achtung bei Salzersatz
Diätsalz und viele "natriumreduzierte" Salze ersetzen Kochsalz ganz oder teilweise durch Kaliumchlorid. Für gesunde Menschen ist das in Ordnung. Wer aber eine Nierenerkrankung hat oder eines der oben genannten Medikamente nimmt, bekommt so unbemerkt zusätzliches Kalium. Auch hier lohnt die Frage in der Praxis.
Kalium aus dem Essen
Gute Kaliumquellen sind:
- Kartoffeln
- Bananen, Aprikosen (auch getrocknet)
- Hülsenfrüchte wie Linsen und weiße Bohnen
- Spinat, Kohlrabi, Tomaten
- Nüsse
Wer täglich Obst und Gemüse isst, braucht in der Regel kein Präparat.
Und die Wadenkrämpfe?
Kalium wird oft gegen nächtliche Wadenkrämpfe empfohlen. Gute Studien, die einen Nutzen bei Menschen ohne Mangel zeigen, gibt es dafür nicht. Häufiger wird Magnesium genannt. Was dazu bekannt ist, liest du in Magnesiummangel.
Unser Fazit
Kalium holst du dir am besten über Kartoffeln, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Ein Präparat mit höchstens 500 mg pro Tag ist nur für gesunde Menschen ohne Nieren- oder Herzprobleme eine Option. Nimmst du Blutdruckmittel wie ACE-Hemmer oder Sartane, lass die Finger von Kaliumtabletten, außer deine Ärztin oder dein Arzt verordnet sie.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln, Stellungnahme 006/2024
- IN FORM: Nahrungsergänzungsmittel, aktuelle Höchstmengenempfehlungen
- Europäische Kommission: EU-Register der Gesundheitsaussagen
- DGE: Referenzwerte Kalium (Stand 2016)
- BfR: Höchstmengenvorschläge für Kalium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (2024)
- Verbraucherzentrale: Kalium-Produkte für Nerven und Muskeln?