Hyaluronsäure kennst du vielleicht aus Cremes oder vom Hautarzt. Als Kapsel oder Beauty-Drink verspricht sie straffere Haut von innen und geschmeidigere Gelenke. Gerade ab 40, wenn die Haut trockener wird, klingt das verlockend. Hier liest du, was dahintersteckt.
Was Hyaluronsäure ist
Hyaluronsäure kommt natürlich im Körper vor, etwa in der Haut, im Bindegewebe und in der Gelenkflüssigkeit. Sie kann viel Wasser binden. Daraus entstand die Idee, sie zu schlucken. Wie der Körper geschluckte Hyaluronsäure aufnimmt und verarbeitet, ist laut Verbraucherzentrale aber nicht geklärt.
Keine zugelassene Gesundheitsaussage
Die EFSA hat Aussagen zur Hautfeuchtigkeit geprüft und als nicht belegt bewertet. Die Verordnung (EU) Nr. 1066/2013 hat sie deshalb abgelehnt. Auch Aussagen zu Gelenken gelten als nicht belegt.
Wenn auf der Packung trotzdem etwas zur Haut steht, schau genau hin. Oft sind Vitamin C, Zink, Vitamin A, Niacin oder Biotin zugesetzt. Diese Nährstoffe haben zugelassene Aussagen, etwa zur normalen Haut oder zur Kollagenbildung. Die Aussage gilt dann dem Vitamin oder Mineralstoff, nicht der Hyaluronsäure.
Was Studien untersuchten
Haut: Studien aus Japan untersuchten 120 mg und 240 mg pro Tag. Die Teilnehmenden hatten danach etwas mehr Hautfeuchtigkeit und leicht flachere Falten. Die Verbraucherzentrale weist auf zwei Haken hin: Es ging um diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, nicht um normale Nahrungsergänzungsmittel. Und es wurden bestimmte Extrakte verwendet. Du kannst die Ergebnisse also nicht auf jede Kapsel übertragen.
Gelenke: Studien, die weniger Knieschmerzen zeigten, nutzten in den USA zugelassene Arzneimittel, keine Nahrungsergänzungsmittel.
Die Frage der Molekülgröße
Hersteller werben oft mit "niedermolekular" oder "hochmolekular". Als hochmolekular gilt Hyaluronsäure ab 1.500 kDa, als niedermolekular bis 50 kDa. Eine Studie fand, dass vor allem Moleküle zwischen 800 und 1.500 kDa aufgenommen wurden. Welche Größe und welche Dosis am besten passen, ist unklar. Für die Zutat gibt es keine festen Vorgaben. Werbung mit einer "optimalen" Molekülgröße steht also auf dünnem Eis.
Wie sicher sie ist
Das BfR sieht bei bis zu 250 mg pro Tag keine gesundheitlichen Bedenken. Am ehesten sind (pseudo-)allergische Reaktionen möglich. Wenn du die Kapseln probierst, bleib unter dieser Menge und achte darauf, nicht mehrere Produkte mit Hyaluronsäure zu kombinieren.
Beauty-Drinks: teuer und überflüssig
Stiftung Warentest hat Beauty-Drinks 2022 als "teuer und überflüssig" bewertet. Laut Verbraucherzentrale können solche Produkte bis zu 120 Euro im Monat kosten. Für dieses Geld bekommst du viel Gemüse, Obst und eine gute Sonnencreme.
Wo Hyaluronsäure wirklich eingesetzt wird
In der Medizin wird Hyaluronsäure etwa in Augentropfen verwendet. Beim Orthopäden wird sie auch ins Kniegelenk gespritzt, meist als Selbstzahlerleistung (IGeL). Die zuständige S3-Leitlinie empfiehlt diese Spritze nicht. Ein Arzneimittel am Auge oder im Gelenk ist zudem etwas völlig anderes als eine Kapsel aus dem Supermarkt.
Was deiner Haut nachweislich hilft
Für die Haut gibt es zugelassene Aussagen zu Nährstoffen wie Vitamin C, Zink, Biotin und Vitamin A. Mehr dazu in Vitamin C, Zink und Biotin für die Haare. Zum verwandten Thema Kollagen findest du unseren Artikel Kollagen.
Unser Fazit
Hyaluronsäure zum Schlucken hat keine zugelassene Aussage für Haut oder Gelenke. Die Studien mit positiven Ergebnissen nutzten spezielle Extrakte oder Arzneimittel, keine normalen Kapseln. Bis 250 mg am Tag sieht das BfR keine Bedenken. Wenn du es probieren willst, wähle ein schlichtes Produkt und erwarte keine Wunder.