Der Darm ist ein großes Thema. Kapseln mit Milchsäurebakterien oder Hefen versprechen eine bessere Verdauung, ein stärkeres Immunsystem oder sogar weniger Gewicht. Bevor du Geld ausgibst, lohnt sich ein genauer Blick. Die Rechtslage ist klarer, als die Werbung vermuten lässt.
Warum "probiotisch" nicht auf der Packung stehen darf
Die EFSA hat für Nahrungsergänzungsmittel mit Bakterien keine einzige Gesundheitsaussage zugelassen. Laut Verbraucherzentrale ist schon das Wort "probiotisch" in der Werbung unzulässig. Es gilt als nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Deshalb lesen Produkte heute oft "mit Bakterienkulturen" oder "mit Mikroorganismen".
Viele Hersteller setzen Vitamine oder Mineralstoffe zu. Dann dürfen sie deren zugelassene Aussagen nutzen, etwa zum Immunsystem. Die Aussage gilt dem Vitamin, nicht den Bakterien.
Die einzige zugelassene Aussage zu Bakterien
Im EU-Register steht genau eine Aussage zu lebenden Kulturen, und sie gilt für Joghurt, nicht für Kapseln:
Die Verdauung der im Produkt enthaltenen Lactose wird durch Lebendkulturen in Joghurt oder fermentierter Milch bei Personen, die Probleme mit der Lactoseverdauung haben, verbessert
Die Bedingung: Joghurt oder fermentierte Milch müssen mindestens 10⁸ koloniebildende Einheiten lebender Starterkulturen (Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus und Streptococcus thermophilus) pro Gramm enthalten.
Wenn du Milchzucker schlecht verträgst, kann ein normaler Naturjoghurt also tatsächlich helfen. Dafür brauchst du keine Kapsel.
Was Studien untersuchten
Laut Verbraucherzentrale ist ein Nutzen für gesunde Menschen nicht belegt. Auch beim Abnehmen zeigen Studien wenig: Der Unterschied zu Placebo lag unter 1 kg. Bei Typ-2-Diabetes sind die Ergebnisse widersprüchlich.
Früher wurden manche Produkte als diätetische Lebensmittel bei Durchfall durch Antibiotika oder bei Reizdarm verkauft. Der Bundesgerichtshof hat im Juli 2023 entschieden, dass Produkte mit Darmbakterien nicht mehr mit Krankheiten werben dürfen.
Steckt drin, was draufsteht?
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe hat Produkte geprüft. 27 % enthielten nicht die angegebene Keimzahl. Die Zahl auf der Packung ist also keine Garantie.
Wer verzichten sollte
Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollen laut Verbraucherzentrale keine lebenden Mikroorganismen einnehmen. Für die Hefe Saccharomyces boulardii gilt: nicht bei geschwächtem Immunsystem und nicht nach einer Transplantation. Wenn du eine Chemotherapie bekommst, Immunsuppressiva nimmst oder schwer krank bist, sprich vorher ärztlich darüber.
Wenn du dem Darm etwas Gutes tun willst
Fermentierte Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir oder Sauerkraut sind einfache Alternativen. Ballaststoffe aus Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchten sind die Nahrung deiner Darmbakterien. Für Getreideballaststoffe gibt es sogar zugelassene Aussagen. Mehr dazu in Flohsamenschalen.
Wenn du seit Wochen Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung hast, lass das ärztlich abklären. Dafür ist keine Kapsel die richtige Antwort.
Wenn du trotzdem Kapseln probierst
- Keine Heilversprechen glauben: Aussagen zu Reizdarm oder Durchfall sind seit 2023 nicht mehr erlaubt.
- Zugesetzte Vitamine erkennen: Sie tragen die Werbeaussage, nicht die Bakterien.
- Kühlung und Haltbarkeit beachten: Lebende Kulturen sterben mit der Zeit ab.
- Nach vier Wochen ehrlich bilanzieren: Merkst du keinen Unterschied, hör auf.
Unser Fazit
Für Kapseln mit Bakterien gibt es keine zugelassene Gesundheitsaussage, und ein Nutzen für Gesunde ist nicht belegt. Die einzige zugelassene Aussage gilt für Joghurt bei Laktoseproblemen. Wir empfehlen deshalb keine Kapsel, sondern Joghurtkulturen für selbstgemachten Joghurt. Bei geschwächtem Immunsystem verzichte auf lebende Kulturen.