Flohsamenschalen sind die Schalen der Samen von Plantago ovata. Sie quellen im Darm stark auf und machen den Stuhl weicher und voluminöser. Viele Frauen ab 40 nutzen sie gegen Verstopfung oder um mehr Ballaststoffe zu essen. Richtig eingenommen sind sie gut erforscht. Falsch eingenommen können sie gefährlich werden.
Wie Flohsamenschalen wirken
Flohsamenschalen können bis zum 40-Fachen ihres Gewichts an Wasser binden. Dabei entsteht ein Gel, das den Darminhalt weicher macht und das Volumen erhöht. Das regt den Darm an.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt Flohsamenschalen als pflanzliches Arzneimittel. In ihrer Monografie vom 14. Mai 2013 nennt sie diese Anwendungen:
- bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung,
- unterstützend bei Reizdarm mit überwiegender Verstopfung,
- unterstützend bei erhöhtem Cholesterin, dann aber unter ärztlicher Aufsicht.
Wie viel und wie
Die EMA nennt für Verstopfung 7 bis 11 g pro Tag, verteilt auf 1 bis 3 Einnahmen. Bei erhöhtem Cholesterin sind es 7 bis 20 g pro Tag.
Das Wichtigste ist das Wasser: Rechne mit etwa 30 ml Wasser pro 1 g Flohsamenschalen. Für 5 g also rund 150 ml, ein großes Glas. Rühre die Schalen ein, trink sofort und trink danach noch etwas nach.
Die Wirkung setzt laut EMA nach 12 bis 24 Stunden ein. Manchmal dauert es 2 bis 3 Tage, bis sie voll da ist. Hab also etwas Geduld.
Wann du sie nicht nehmen solltest
Nimm Flohsamenschalen tagsüber und nicht direkt vor dem Schlafengehen. Liegst du gleich danach, kann das Gel im Hals oder in der Speiseröhre hängen bleiben.
Zu wenig Flüssigkeit kann laut EMA zu einem Verschluss in Hals oder Speiseröhre und zu Erstickungsgefahr führen. Wenn du Schluckbeschwerden hast, sprich vorher ärztlich darüber.
Für Kinder unter 6 Jahren sind sie bei Verstopfung nicht vorgesehen, für die Cholesterin-Anwendung erst ab 12 Jahren.
Abstand zu Medikamenten
Das Gel kann die Aufnahme anderer Stoffe verzögern. Die EMA nennt unter anderem Mineralstoffe, Vitamin B12, Herzglykoside, Cumarine (Blutverdünner), Carbamazepin und Lithium. Halte deshalb mindestens eine halbe bis eine Stunde Abstand vor oder nach anderen Medikamenten. Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel wie Eisen oder Magnesium. Mehr zu B12 findest du in Vitamin B12.
Als Nebenwirkung können Blähungen auftreten, besonders am Anfang. Starte mit einer kleinen Menge und steigere langsam.
Keine zugelassene Gesundheitsaussage für Lebensmittel
Interessant: Im EU-Register für Lebensmittel steht keine Aussage zu Flohsamenschalen. Ihre Wirkung ist über das Arzneimittelrecht beschrieben, nicht über Lebensmittelwerbung. Für andere Ballaststoffe gibt es dagegen zugelassene Aussagen, zum Beispiel:
- Hafer- und Gerstenkorn-Ballaststoffe tragen zur Erhöhung des Stuhlvolumens bei.
- Weizenkleie trägt zur Beschleunigung der Darmpassage bei, die Wirkung stellt sich bei mindestens 10 g Weizenkleie am Tag ein.
Für Glucomannan aus der Konjakwurzel gilt:
Glucomannan trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei
Die Bedingung: 4 g Glucomannan pro Tag. Auch hier ist ein Warnhinweis Pflicht: Bei Schluckbeschwerden oder zu wenig Flüssigkeit besteht Erstickungsgefahr, also mit viel Wasser einnehmen.
So startest du
- Beginne mit 1 Teelöffel am Tag in einem großen Glas Wasser.
- Steigere über eine Woche, bis du bei der Menge bist, die dir hilft.
- Trink über den Tag verteilt genug.
- Halte Abstand zu Medikamenten und nimm sie nicht abends im Bett.
Gemahlene Schalen lösen sich leichter, ganze Schalen quellen etwas langsamer. Beide funktionieren.
Hält die Verstopfung trotz Ballaststoffen an oder kommt Blut im Stuhl dazu, geh zur Ärztin oder zum Arzt.
Unser Fazit
Flohsamenschalen sind ein gut untersuchtes Mittel bei Verstopfung. Die EMA nennt 7 bis 11 g am Tag mit etwa 30 ml Wasser pro Gramm. Trink genug, nimm sie nicht vor dem Schlafen und halte eine halbe bis eine Stunde Abstand zu Medikamenten. Dann sind sie ein günstiger und einfacher Helfer.