1.000 mg Vitamin C pro Kapsel, "Depot"-Tabletten, Infusionen beim Heilpraktiker: Hochdosiertes Vitamin C ist ein großes Geschäft. Hier liest du, was die Fachstellen sagen und was die Studien tatsächlich zeigen. Die Grundlagen zu Vitamin C findest du in Vitamin C.
Wie viel du brauchst
Die DGE empfiehlt 95 mg Vitamin C am Tag für Frauen, 110 mg für Männer. Eine Paprika oder eine Portion Brokkoli liefert schon einen großen Teil davon.
Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 mg pro Tagesportion. Eine 1.000-mg-Kapsel liegt also beim Vierfachen.
Was passiert mit 1.000 mg?
Der Körper kann Vitamin C nur begrenzt aufnehmen und speichern. Was er nicht braucht, scheidet er über den Urin aus. Mehr hilft also nicht automatisch mehr.
Eine feste Obergrenze konnte die EFSA mangels Daten nicht festlegen. Sie geht aber davon aus, dass 1.000 mg zusätzlich am Tag neben dem Essen keine Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Bei höheren Mengen steigt das Risiko für Durchfall und Bauchschmerzen.
Das Nierenstein-Risiko
Vitamin C wird im Körper zum Teil zu Oxalat abgebaut. Oxalat ist ein Hauptbestandteil der häufigsten Nierensteine.
Die Daten sind gemischt:
- Die EFSA fand bei Menschen, die gewohnheitsmäßig 1.500 mg am Tag aufnahmen, kein erhöhtes Nierensteinrisiko.
- Eine schwedische Studie begleitete über 23.000 Männer elf Jahre lang. Wer regelmäßig Vitamin-C-Tabletten nahm, bekam etwa doppelt so oft Nierensteine wie Männer ohne Präparate. In Schweden enthalten die meisten Vitamin-C-Tabletten 1.000 mg. Bei Multivitaminen mit weniger Vitamin C sah man das nicht. Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für die Ursache, und sie untersuchte nur Männer.
Hattest du schon einmal Nierensteine oder hast du eine Nierenerkrankung, verzichte auf hochdosiertes Vitamin C. Sprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Hilft hochdosiertes Vitamin C bei Erkältungen?
Studien untersuchten das ausführlich. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fand: Regelmäßiges Vitamin C senkt bei den meisten Menschen nicht das Risiko, sich zu erkälten. Die Erkältung dauerte im Schnitt etwas kürzer. Details in Vitamin C.
Vitamin-C-Infusionen
Bei einer Infusion gelangt Vitamin C direkt ins Blut. So erreicht man Spiegel, die mit Tabletten unmöglich sind. Das klingt nach mehr Wirkung, ist aber nicht dasselbe.
Sepsis: In der großen LOVIT-Studie (2022) bekamen Intensivpatienten mit Sepsis hochdosiertes Vitamin C über die Vene, 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht alle sechs Stunden, bis zu vier Tage lang. Ergebnis: Nach 28 Tagen waren in der Vitamin-C-Gruppe 44,5 Prozent gestorben oder hatten anhaltendes Organversagen, in der Placebo-Gruppe 38,5 Prozent. Vitamin C half also nicht, das Ergebnis war sogar schlechter. Die Forschenden raten von hochdosiertem Vitamin C bei Sepsis außerhalb von Studien ab.
Krebs: Studien untersuchten Infusionen auch begleitend zu Krebstherapien. Wenn du darüber nachdenkst, sprich vorher mit deinem Behandlungsteam.
Beim Heilpraktiker oder in der Wellness-Praxis: Infusionen gegen Müdigkeit, für das Immunsystem oder "zum Entgiften" werden angeboten. Für diese Zwecke gibt es keine guten Belege. Eine Infusion ist ein medizinischer Eingriff mit eigenen Risiken.
Was die EU anerkennt
Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Vitamin C trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Blutgefäße bei.
Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme.
Diese Aussagen gelten für normale Mengen. Kein Teil davon verlangt 1.000 mg oder eine Infusion.
Gepuffertes und liposomales Vitamin C
Gepuffertes Vitamin C (zum Beispiel Calcium- oder Natriumascorbat) ist magenfreundlicher, wenn du Säure schlecht verträgst. Liposomales Vitamin C wird mit besserer Aufnahme beworben. Für gesunde Menschen ist kein Vorteil belegt, der den höheren Preis rechtfertigt.
Unser Fazit
Hochdosiertes Vitamin C bringt den meisten Frauen nichts, was 95 mg aus Obst und Gemüse nicht auch schaffen. Wer ergänzt, bleibt bei höchstens 250 mg am Tag. Mit Nierensteinen in der Vorgeschichte lässt du hohe Dosen weg. Infusionen sind eine ärztliche Behandlung für bestimmte Fälle, kein Wellness-Booster.
Quellen
- DGE: Referenzwert Vitamin C
- BfR: Höchstmengenvorschläge für Vitamin C
- Thomas L.D.K. et al.: Ascorbic Acid Supplements and Kidney Stone Incidence Among Men, JAMA Internal Medicine (2013)
- Lamontagne F. et al.: Intravenous Vitamin C in Adults with Sepsis in the Intensive Care Unit (LOVIT), New England Journal of Medicine (2022)
- Hemilä H., Chalker E.: Vitamin C for preventing and treating the common cold, Cochrane Database of Systematic Reviews (2013)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln, Stellungnahme 006/2024
- IN FORM: Nahrungsergänzungsmittel, aktuelle Höchstmengenempfehlungen
- Europäische Kommission: EU-Register der Gesundheitsaussagen